07.02.2007
Artikel in der RHEINPFALZ von Katrin Brodowski
Warum der Hubwagen kein Tretroller sein darf
WÖRTH: Behinderte Schauspieler zeigen in Südpfalzwerkstatt Stück zum Thema
Arbeitsschutz
Zehn behinderte Mitarbeiter der Südpfalzwerkstatt Offenbach haben ein
außergewöhnliches Theaterstück für ihre Kollegen einstudiert: „aber sicher"
befasst sich mit Arbeits- und Gesundheitsschutz und soll bei den Menschen mit
Behinderungen ein Bewusstsein für Sicherheit und Gesundheit wecken. Am Freitag
fand die Abschlussaufführung in der Wörther Südpfalzwerkstatt statt.

Der Speisesaal der Südpfalzwerkstatt ist voll besetzt und das Publikum wartet
gespannt auf seine Kollegen. Überall hört man „Pscht", bevor die Schauspieler
mit jubelndem Applaus begrüßt werden. In roten Latzhosen demonstrierten sie ohne
viele Worte, worauf es beim Arbeitsschutz ankommt: Helm aufsetzen, Warnweste und
Schutzbrille anziehen. Aber einer der Akteure macht zielsicher einen Fehler nach
dem anderen, erntet so viele Lacher im Publikum und bekommt Hilfe von seinen
Kollegen. Dann wird das Bühnenbild publikumswirksam umgebaut, immer herrscht
Bewegung in dem hauptsächlich pantomimischen Stück, das von Zirkusmusik
begleitet wird.
Neben der persönlichen Schutzausrüstung ist auch das richtige Heben und Tragen
von Lasten ein Thema. Die beiden Spielleiterinnen der Projektgruppe, Angela
Grösch und Marion Kirchhoff, werden als in roten Stoff eingepackte Pakete über
die Bühne getragen. Dann fällt einer der Schauspieler beabsichtigt hin: Ein
lautes, vielstimmiges und betroffenes „Ooh!" erklingt aus dem Publikum. Die
anderen Akteure kümmern sich um den Gestürzten und wollen ihm helfen - auch eine
wichtige Aussage des Stücks. Dann entsteht nach kurzer Umbauphase ein Bus: Die
während der ganzen Aufführung als Requisite benutzten bunten Schaumstoffquader
werden zu Bussitzen umfunktioniert. Mit einem großen Lenkrad ausgestattet, fährt
der Fahrer los und sammelt die Fahrgäste ein. Eine holprige Straße wird durch
Wippen auf den Sitzen demonstriert, ebenso abruptes Bremsen und Lenken. Der
lustige Bus begeistert die Zuschauer. Dann das Aussteigen: Durch Schubsen und
Drängeln fällt wieder ein Schauspieler hin und wird von Sanitätern untersucht.

Neben dem Hinweis auf die Gefahren beim Ein- und Aussteigen aus dem Bus werden
die Risiken rund um den Hubwagen thematisiert. Die bunten Quader werden auf
Rollbretter geladen und über die ganze Bühne geschoben; Tretrollerfahren mit den
Hubwagen ist nicht erlaubt. Während der Aufführung der verständlichen Szenen
reckt das Publikum die ganze Zeit die Hälse und verfolgt gespannt die Aktion auf
der Bühne. Am Ende bekommen die Akteure einen donnernden Applaus.
Erwin Welsch ist Projektleiter und lässt nach dem Stück die Busszene nochmals
zeigen. Er fragt das Publikum, was dabei falsch gelaufen ist. „Gedrängelt ham
se!" ruft es. „Er is gebumbt worre!" Also wird das Ganze einmal vorbildlich
vorgeführt: langsam, nacheinander und mit Abstand steigen die Schauspieler aus
dem Bus. „Manche kapieren"s awwer net!", kommt dazu der Kommentar aus dem
Zuschauerraum.
Einstudiert hat die Szenen Ben Hergl, künstlerischer Leiter und Schauspieler des
Chawwerusch-Theaters, zusammen mit Grösch und Kirchhoff. „Dass das nicht nur
Arbeit war, sondern auch viel Spaß gemacht hat, haben wir daran gesehen, dass
alle immer pünktlich zum Probebeginn da waren", berichtet Marion Kirchhoff.
„Dieses Projekt ist bundesweit einmalig", so Geschäftsführer Helmut Heller.
Gesponsert wurde es von der IG Bergbau, Chemie und Energie, Ortsgruppe Landau.



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