19.12.2006
Auszug aus der RHEINPFALZ vom 29.11.2006
Theaterprojekt zum Arbeits- und Gesundheitsschutz
"aber sicher" heißt das ungewöhnliche Theaterprojekt der Südpfalzwerkstatt
Offenbach, das den Arbeits- und Gesundheitsschutz zum Thema hat.
Am Mittwoch führten die zehn begeisterten Schauspieler, allesamt Menschen mit
Behinderung, das Stück intern auf, im Januar und Februar folgen öffentliche
Aufführungen an den drei Standorten der Südpfalzwerkstatt gGmbH Offenbach,
Herxheim und Wörth.

Mit Lampenfieber waren die Schauspieler bei ihrer ersten Gesamtinszenierung im
Proberaum der Offenbacher Werkstatt in ihre "Kostüme", den roten Latzhosen und
gelben Sicherheitswesten geschlüpft und hatten die roten Schutzhelme aufgesetzt.
Als Requisiten dienten bunte Schaumstoffwürfel, hergestellt in jener Werkstatt,
und Utensilien aus dem Alltag. Ohne viel Worte, das Stück soll vor allem über
die Sinne anregen und auf spielerische Weise dauerhaftes Bewusstsein für
Sicherheit und Gesundheit schaffen, zeigten die Akteure, allesamt Menschen mit
Behinderung (MmB), worum es geht.

Da genügt es zum Beispiel, dass einer seine Brille falsch aufsetzt, worauf hin
die anderen solange mit Fingern auf ihn zeigen, bis er bemerkt, was nicht
stimmt. Oder beim Busfahren, wo die Schaumstoffwürfel als Sitze dienen, ein
ruckhaftes Fahren gefährden kann. In gut verständlichen Szenen wurde gezeigt,
wie man Lasten richtig hebt und trägt, stolpern und stürzen vermeidet, einen
Kabelschacht sicher übersteigt und anderen Hindernissen und Gefahrenquellen
richtig ausweicht. Vor allem auch, wie man drohenden Wegeunfällen vorbeugt. Hier
ging es besonders um das zentrale Thema Drängeln und Fallen beim Busaussteigen
oder Straßenüberqueren.
Auch um die Einsicht des Schutzweste-Tragens, Helm-Aufsetzens Handschuhe- und
Schutzbrille-Tragens ging es. Obgleich die Vorführung hohe Konzentration für die
Spieler bedeutete, kam der Spaß nicht zu kurz und gab es viel zu lachen. Die
31-jährige Susan Klein aus Insheim zum Beispiel, die seit 96 in der Werkstatt
ist, wo sie in der Küchengruppe arbeitet, amüsierte sich besonders über den
Parcours (ein Rundweg mit Unfallquellen) und darüber, "dass ich anfangs die
Weste falsch anhatte, was lustig aussah". Auch der 48-jährige Adam Völker aus
Bornheim, der bereits seit 76 der Werkstatt angehört wo er im Metallbereich fürs
Bohren, Gewinde- und Schraubendrehen zuständig ist, mochte sich kugeln über
seine falsch aufgesetzte Schutzbrille, "durch die ich nicht mehr g'scheit sah".
Das Ziel des "anpackenden" Stücks, das in drei ganztägigen Workshops von April
bis November erprobt wurde, ist die Sensibilisierung für Arbeitsschutzthemen,
die ein dauerhaftes Bewusstsein für Sicherheit und Gesundheit schaffen sollen.
Eingeübt haben die sinnesanregenden Spielszenen Ben Hergl, der künstlerischen
Leiter und Schauspieler des Chawwerusch Theaters und die theatererfahrenen
Betreuerinnen Angela Grösch und Marion Kirchhof von der Werkstatt.
Hergl über das 30-minütige Impulstheaterstück: "Es ist pantomimisch expressiv,
umrahmt von zirkusähnlicher Musik und verzichtet weitgehend auf sprachlichen
Einsatz". Von Anfang an habe es eine starke Motivation und Begeisterung bei den
Akteuren gegeben, sagte er, die sich so Lob und Wertschätzung erspielen können.
Die Grundidee von "aber sicher" hatte Koordinator Erwin Welsch, Fachkraft für
Arbeitssicherheit in der Südpfalzwerkstatt, der auf die Gefahren im Arbeitsleben
auf "anfassbare, erlebbare und emotional begreifbare Art aufmerksam machen"
wollte.
Geschäftsführer Helmut Heller, der das Projekt als "bundesweit einmalig für die
Werkstätten" bezeichnet, entwickelte die Idee mit drei Fachkräften für
Arbeitssicherheit im Fasi-Arbeitskreis weiter.
Für das Sponsoring sorgte die Ortsgruppe Landau der IG Bergbau, Chemie und
Energie, am Mittwoch vertreten Werner Kuntz.
I N F O: Aufführungen jeweils um 13.30 Uhr, am Freitag, 19. Januar 07 in
Offenbach, Turn- und Festhalle, am Freitag, 26. Januar im Standort Herxheim,
Speisesaal und am Freitag, 2. Februar, im Standort Wörth, Speisesaal. (hima)
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