17.03.2006
Robert Antretter -
Bundesvorsitzender der Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung e. V.
- zu Gast in der Südpfalzwerkstatt gGmbH.
"Auf Werkstätten für Menschen mit Behinderung, kann auch in Zukunft nicht
verzichtet werden!" So Antretter, der nach seiner politischen Karriere nun in
seiner Funktion als ehrenamtlicher Bundesvorsitzender der Lebenshilfe e.V. zu
Gast in der Südpfalzwerkstatt Offenbach war.
Bei seinem Besuch am 16.03.06 stand er den Mitgliedern des Werkstattrates der
Südpfalzwerkstatt Rede und Antwort. Erfragt wurde Antretters Meinung zum Thema
Zukunft der Werkstätten für Menschen mit Behinderung und die Chancen der
Integration auf dem 1. Arbeitsmarkt, ebenso wie seine Einschätzung zur
Problematik eines eigenständigen Lebens der Menschen mit Behinderung außerhalb
der Wohnheime und welche Rolle dabei der gesetzlichen Betreuung zufällt.
In diesem Zusammenhang sieht Antretter die gesetzliche Betreuung in
Einrichtungen eher als Schutz. Man dürfe natürlich niemanden in seiner
persönlichen Entfaltung bremsen, aber es müsse sorgfältig ausgelotet werden
bevor Menschen mit Behinderung die Geborgenheit der Gruppe verlassen.
Geschäftsführer Helmut Heller, gleichzeitig stellvertretender Vorsitzender der
Landesarbeitsgemeinschaft der Werkstätten für behinderte Menschen
Rheinland-Pfalz, informierte über das zum 01.03.06 angelaufene Modell
"Persönliches Budget für Arbeit", das vom Ministerium für Arbeit, Soziales,
Familie und Gesundheit mit Unterstützung der Landesarbeitsgemeinschaft
konzipiert wurde.
Es soll künftig mehr Menschen mit Behinderungen den Weg aus den Werkstätten
heraus in den 1. Arbeitsmarkt ermöglichen. Anreiz für potentielle Arbeitgeber
ist ein Zuschuss zu deren Lohnkosten in Höhe von 70% des jeweiligen Tariflohnes.
Allerdings dürfen die Kosten dieser Arbeitsplätze die bisherigen Aufwendungen,
die den Sozialhilfeträgern im Einzelfall in der WfbM entstehen, nicht
überschreiten.
Bei einem Scheitern auf dem 1. Arbeitsmarkt ist die Rückkehr in die WfbM
sichergestellt. Das Modell wird zurzeit von 6 Werkstätten und deren kommunalen
Gebietskörperschaften sechs Monate lang erprobt und soll danach auf das gesamte
Land Rheinland-Pfalz ausgedehnt werden.
Nach der interessanten Gesprächsrunde informierte sich Antretter auch über die
Produktionsmöglichkeiten der Südpfalzwerkstatt bei einem Rundgang durch die
beiden Werke in Offenbach.
Es ist sehr positiv zu bewerten, dass die Südpfalzwerkstatt es geschafft hat,
den Anteil der Arbeitsplätze die mit Eigenproduktion befasst sind, auf 1/6 zu
steigern, so Antretter. Nur sehr wenige Werkstätten für Behinderte erreichen
diese hohe Zahl die auch Kennzeichen dafür ist, dass eine stabile
wirtschaftliche Grundlage und eine gesunde Substanz vorhanden sind.
Die Möglichkeit sich seinen persönlichen Scheibenreiniger (ein Eigenprodukt der
Südpfalzwerkstatt, das europaweit vertrieben wird) selbst herzustellen ließ
Antretter sich nicht nehmen. Von einem Mitarbeiter mit Behinderung wurde er an
einer Montage-Station eingewiesen und freute sich, dass bereits der erste
Versuch ein Erfolg war.
Es ist nachvollziehbar dass die Mitarbeiter mit Behinderung der
Südpfalzwerkstatt stolz darauf sind, wenn sie die von ihnen hergestellten
Produkte beim Einkauf im Einzelhandel entdecken. Dies stärkt ihr
Selbstbewusstsein und fördert die Identifikation mit ihrer Arbeit.

Bundesvorsitzender der
Lebenshilfe Robert Antretter zusammen mit Geschäftsführer und Helmut Heller im
Kreise des Werkstattrates der Südpfalzwerkstatt gGmbH.

Scheibenreinigerbau:
Robert Antretter, Bundesvorsitzender der Lebenshilfe e.V., bei Bau eines
Scheibenreinigers unter Anleitung von Hans Theuer einem Mitarbeiter mit
Behinderung
Südpfalzwerkstatt gGmbH | Tel.: (0 63 48) 6 16-0 | Fax: (0 63 48) 6 16-1 01
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